Partizipien (Partizip I & II) als Adjektive – Beispiele, Erklärungen & Übungen

Partizipien als Adjektive

Partizipien sind Verbformen, die sowohl verbale als auch adjektivische Eigenschaften aufweisen. In der deutschen Sprache sind das Partizip I (Partizip Präsens) und das Partizip II (Partizip Perfekt) zu unterscheiden. 

Partizip I – Definition und Beispiele

Das Partizip I ist eine Verbform, die die syntaktische Funktion eines Adjektivs einnehmen kann. In diesem Fall steht das Partizip vor einem Substantiv und muss wie ein Adjektiv flektiert werden.

Bildung

Es wird aus der Infintivform und der Endung -d gebildet.

Gebrauch

Es drückt eine andauernde Handlung bzw. Gleichzeitigkeit aus.

Beispiele:

  1. Der Musik hörende Student raucht eine Zigarette. (Der Student hört Musik und raucht eine Zigarette)
  2. Läutende Kirchenglocken und krähende Hähne weckten Karl in dieser frühen Morgenstunde. (Während die Kirchenglocken läuten und die Hähne krähen, wacht Karl auf) 

Modales Partizip (Gerundiv)

Wenn das Partizip I mit zu gebraucht wird, spricht man von dem sog. Gerundiv. Mit dieser Form kann eine Notwendigkeit (1,2) oder Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit (3) ausgedrückt werden. Diese Partizipialkonstruktion hat eine passivische Bedeutung. 

Beispiele:

  1. Auf seinem Schreibtisch liegen die zu korrigierenden Klausuren. (Klausuren, die korrigiert werden müssen)
  2. Die Professorin hat ihrem Hiwi die zu kopierenden Seiten notiert. (Seiten, die kopiert werden müssen)
  3. Die Schüler stehen vor einer nicht zu lösenden Aufgabe. (Eine Aufgabe, die nicht gelöst werden kann)

Partizip II – Definition und Beispiele

Das Partizip II wird einerseits zur Bildung der zusammengesetzten Zeitformen (Perfekt, Plusquamperfekt) und des Passivs gebraucht. Andererseits kann es auch in adjektivischer Funktion gebraucht werden. In dieser Funktion kann es sowohl attributiv als auch prädikativ stehen. Als adjektivische Attribut können sowohl transitive als auch einige intransitive (Nur die Verben, die das Perfekt mit „sein“ bilden“!) gebraucht werden. 

Bildung

Das Partizip II wird mit dem Präfix ge-, dem Verbstamm und der Endung -t oder -en gebildet.

Schwache Verben (regelmäßige Verben) bilden das Partizip II mit ge-, dem Verbstamm und der Endung -t.

Beispiele: 

kochen – gekocht
machen – gemacht
spielen – gespielt

Starke Verben (unregelmäßige Verben) bilden es mit dem Präfix ge-, dem Verbstamm und der Endung -en.

Beispiele: 

finden – gefunden
helfen – geholfen
singen – gesungen

Gemischte Verben bilden es mit dem Präfix ge-, dem Verbstamm und der Endung -t.

Beispiele: 

bringen – gebracht
denken – gedacht
kennen – gekannt

Gebrauch

Das Partizip II drückt eine abgeschlossene Handlung aus. 

Beispiele:

  1. Tiago und Marie freuen sich auf ihren geplanten Urlaub. 
  2. Weißt du, wo man gebrauchte Autos kaufen kann?

Aktive und passive Bedeutung

Transitive Verben haben eine passivische Bedeutung

Beispiele: 

das gemalte Bild – das Bild, das gemalt wurde
die bezahlte Rechnung – die Rechnung, die bezahlt wurde
der unterschriebene Vertrag – der Vertrag, der unterschrieben wurde

Intransitive Verben, die das Perfekt mit „sein“ bilden, haben eine aktivische Bedeutung. Zu diesen Verben gehören z.B. ankommen, einschlafen, sinken, steigen, verblühen, verbrennen, wachsen

Beispiele:

das gewachsene Kind – das Kind, das gewachsen ist
der eingeschlafene Student – der Student, der eingeschlafen ist
die verblühte Pflanze – die Pflanze, die verblüht ist

Vorsicht: Intransitive Verben, die das Perfekt mit „haben“ bilden, können nicht als attributive Partizipien gebraucht werden.

Beispiele:

*der geschriebene Student
*das gelachte Kind

Partizip I oder Adjektiv?!

Einige Verben haben sich semantisch soweit von der ursprünglichen Bedeutung des Verbs entfernt, dass sie als selbstständige Adjektive eingeordnet werden. Sehen Sie sich zunächst die folgenden Beispiele an. 

Beispiele: 

1) Der neue Kinofilm ist sehr spannend.
2) Der spannende Kinofilm
3) Das spielende Kind.
4) Spielend einfach Deutsch lernen.

Sie haben bestimmt sofort alle Partizipien erkannt. Wenn Sie versuchen, die Partizipien zu komparieren bzw. zu steigern, werden Sie merken, dass das nicht immer funktioniert:

Beispiel:

der spannendere Film vs. *das spielendere Kind

Das Beispiel zeigt, dass „spannend“ komparierbar ist, „spielend“ hingegen jedoch nicht. Dieser Test zeigt, dass spannend bereits ein selbstständiges Adjektiv geworden ist. „Spielend“ gehört weiterhin zur Wortart Verb. 

Übung 1

Übung 2

Übung 3

12 Gedanken zu “Partizipien (Partizip I & II) als Adjektive – Beispiele, Erklärungen & Übungen

  1. Guten Abend, wo finde ich die Lösungen?

    Vielen Dank im Voraus

  2. Guten Abend, Sofia 🙂
    Wenn du alle Lösungen eingegeben hast, kannst du auf „Lösungen anzeigen“ klicken.
    Dann wirst du alle Lösungen sehen!
    Viel Erfolg und liebe Grüße,
    Patrick

  3. So so so hilfreich!!! Schliesslich habe ich verstanden wie man die Partizipien als Adjektiven benutzen kann.
    Vielen Dank !

  4. Ich habe mich enttäuscht. –> Ich bin enttäuscht. (Adj weil „sich enttäuschen“ ein Reflexiv Verb ist, kann kein Passiv bilden.)

    Ich wurde (von ihm) enttäuscht. –> Ich bin enttäuscht. (Zustandpassiv, so ist „enttäuscht“ hier ein PP2)

    So habe ich richtig verstanden?

    Allerdings ist es unmöglich, ohne Unterbrechungen zu arbeiten, weshalb ich oft getresst bin.
    Ist „gestresst“ hier ein Adj oder PP2?

  5. Ich bin enttäuscht kann unterschiedlich interpretiert werden. Wenn dich jemand enttäuscht und du deshalb enttäuscht bist, wäre es Zustandspassiv.
    Du wirst enttäuscht (Vorgangspassiv) -> Du bist enttäuscht (Zustandspassiv). Das Verb enttäuschen steht mit einer Akkusativergänzung: Ich habe ihn / meinen Vater enttäuscht. Das Verb „stressen“ würde ich in der Form „gestresst“ auch als Partizip 2 bzw. Zustandspassiv bewerten. Allerdings kann es als bloße Charakterbeschreibung auch als adjektivisch gebrauchtes Partizip verstanden werden. Die Grenzen sind nicht eindeutig!

  6. Hallo, kann ich nicht die richtige Lösungen einfach sehen? Könnt ihr bitte hier die richtigen Lösungen schreiben?

  7. Hallo, wenn du alle Antworten eingegeben hast, kannst du dir die Lösungen anzeigen lassen! Viel Spaß beim Lernen!

  8. Hallo! ich habe eine Frage zur Umformung von Partizipialattribute zu Relativsätze.
    Weist der Rest des Satzes ( oder die Zeitform des anderen Verbes) darauf hin, welches Partizip benutzt werden sollte?

    Mein Problem dabei ist auch andersrum nicht die richtige Zeitform für den Relativsatz finden zu können.

    ich hoffe meine Frage ist nicht zu spezifisch oder kompliziert.

    Vielen Dank im Voraus. 🙂 Ihre Webseite und Videos sind immer super hilfreich.

  9. Ja, der Satz sollte insgesamt verstanden werden. Der Kontext spielt eine Rolle. Außerdem verwendet man das Partizip 2 für abgeschlossene Ereignisse, das Partizip 1 zum Ausdruck gleichzeitig ablaufender Handlungen.
    Darüber hinaus entspricht das Partizip 2 als Adjektiv sehr oft Passivkonstruktionen, sofern das Verb (von dem das Partizip abgeleitet wird) passivfähig ist. In meinem Grammatikkurs erkläre ich diese Thema, falls du Interesse hast 🙂
    Schau mal in meiner Online-Schule: https://sprakuko.com/
    Beste Grüße aus Heidelberg,
    Patrick

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