Nominalisierung von adverbialen Nebensätzen

Was ist Nominalisierung?

Unter Nominalisierung versteht man einen Wortbildungsprozess, bei dem man aus einer anderen Wortart ein Nomen ableitet. 

Was ist Nominalisierung von adverbialen Nebensätzen?

Man spricht von einer Nominalisierung von adverbialen Nebensätzen, wenn diese durch nominale Angaben ersetzt werden. Adverbiale Nebensätze kann durch präpositionale Ausdrücke ersetzen, die jeweils Nominalphrasen in einem bestimmten Kasus fordern. Um diese Nominalphrasen zu bilden, müssen bestimmte Wörter aus dem Ausgangssatz in einer andere Wortart (nämlich die eines Nomens) überführt werden. 

Beispiel: 
Adverbialer Nebensatz:
Ich komme heute nicht zum Deutschkurs, weil ich starke Kopfschmerzen habe.

Nominale Angabe:
Wegen starker Kopfschmerzen komme ich heute nicht zum Deutschkurs.

Das Beispiel zeigt einen adverbialen Nebensatz, der von der Subjunktion “weil” eingeleitet wird. Hier muss man verstehen, dass es sich um eine kausale Subjunktion handelt, mit der man einen Grund ausdrückt. Diese Kausalität kann jedoch auch mithilfe anderer Wortarten ausgedrückt werden. Dies zeigt Beispiel 2, in dem die Kausalität von der Präposition “wegen” ausgedrückt wird. Die Informationen des Nebensatzes werden in nominaler Form ausgedrückt. Man spricht deshalb von “Nominalisierung”. 

Wann gebraucht man Nominalisierungen?

Man gebraucht Nominalisierungen, wenn man viele Informationen in kurzen Sätze (komprimiert) wiedergeben möchte. Diese Strukturen finden man vor allem in der Wissenschaftssprache sowie in Fachsprache und in der Sprache der Bürokratie. Im Mündlichen trifft man den Nominalstil seltener an. Stattdessen bevorzugt man in der gesprochenen Sprache den Verbalstil, der leichter zu verstehen ist. Aufgrund der Komplexität der grammatischen Strukturen des Nominalstils ist dieser schwerer zu verstehen und setzt gewisse Vorkenntnisse der Leser/-innen oder Zuhörer/innen voraus. Für Lernende des Deutschen als Fremdsprache sind Kenntnisse zu Nominalisierungen in der deutschen Sprache unbedingt vorauszusetzen, wenn ein Studium auf Deutsch im In- oder Ausland angestrebt wird. 

Umformulierungen adverbialer Nebensätze

Im Folgenden sollen exemplarisch verschiedene adverbiale Nebensätze umformuliert werden. Im Anschluss daran finden Sie eine Übersicht zur Nominalisierung von adverbialen Nebensätzen. Dieser Übersicht können Sie einige Präpositionen entnehmen, die zur Nominalisierung bestimmter adverbialer Nebensätze herangezogen werden können. Sie finden jeweils eine Subjunktion sowie alternative Präpositionen unter Angabe der regierten Kasus sowie eine Angabe des jeweiligen Bedeutungskontextes.

Umformulierung von temporalen Nebensätzen  

Temporaler Nebensatz mit “nachdem” (Vorzeitigkeit)

1) Temporaler Nebensatz:
Nachdem er getankt hatte, fuhr er weiter.

2) Temporale Angabe:
Nach dem Tanken fuhr er weiter.

Temporaler Nebensatz mit “bevor” (Nachzeitigkeit)

1) Temporaler Nebensatz:
Bevor er arbeitet, joggt er 10 Kilometer. 

2) Temporale Angabe:
Vor der Arbeit joggt er 10 Kilometer. 

Temporaler Nebensatz mit “während” (Gleichzeitigkeit)

1) Temporaler Nebensatz:
Während er zur Arbeit fährt, hört er laut Musik.

2) Temporale Angabe:
Während der Fahrt zur Arbeit hört er laut Musik.

Umformulierung von kausalen Nebensätzen

1) Kausaler Nebensatz:
Die Mietpreise schnellen in die Höhe, weil die Nachfrage steigt. 

2) Kausale Angabe:
Aufgrund der steigenden Nachfrage schnellen die Mietpreise in die Höhe. 

Umformulierung von konsekutiven Nebensätzen  

1) Konsekutiver Nebensatz:
Der Arbeitnehmer kam zu dem wichtigen Meeting viel zu spät, sodass sich sein Vorgesetzter ärgerte. 

2) Konsekutive Angabe:
Zum Ärger seines Vorgesetzten kam der Arbeitnehmer zu dem wichtigen Meeting viel zu spät.

Umformulierung von konzessiven Nebensätzen  

1) Konzessiver Nebensatz:
Obwohl es draußen regnet, geht Peter schwimmen. 

2) Konzessive Angabe:
Trotz des Regens geht Peter schwimmen. 

Umformulierung von adversativen Nebensätzen  

1) Adversativer Nebensatz:
Maria kauft eine Einzelausgabe des Magazins, wohingegen ein Abo günstiger gewesen wäre. 

2) Adversative Angabe:
Im Gegensatz zum Kauf einer Einzelausgabe des Magazins wäre ein Abo günstiger gewesen. 

Umformulierung von konditionalen Nebensätzen  

1) Konditionaler Nebensatz:
Wenn der Flug storniert wird, bekomme ich das Geld zurück.

2) Konditionale Angabe:
Bei Stornierung des Flug(e)s / Flugstornierung bekomme ich das Geld zurück.

Umformulierung von finalen Nebensätzen  

1) Finaler Nebensatz:
Es gibt Wortschatzerklärungen und Hinweise am Seitenrand, damit die Schüler/-innen den Text besser verstehen.

2) Finale Angabe:
Zum besseren Verständnis der Schüler/-innen gibt es Wortschatzerklärungen und Hinweise am Seitenrand.

Umformulierung von modalen Nebensätzen  

1) Modaler Nebensatz:
Sie können den Fehler beheben, indem Sie Ihr Betriebssystem neu installieren. 

2) Modale Angabe:
Durch eine Neuinstallation Ihres Betriebssystems können Sie den Fehler beheben. 

Übersicht 

Übung

Relativsätze im Genitiv | Formen der Relativpronomen | Beispiele

Relativsatz mit einem Relativpronomen im Genitiv
Beispielsatz mit einem Relativpronomen im Genitiv
Was sind Relativsätze?

Relativsätze sind Nebensätze, die ein Bezugswort (meistens ein Nomen) im Hauptsatz näher bestimmen. Relativsätze beginnen meistens mit einem Relativpronomen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, sie mithilfe von relativen Pronominaladverbien oder Präpositionen einzuleiten.

Syntaktisch gesehen sind Relativsätze keine Satzglieder, sondern Teile eines Satzgliedes bzw. Attribute. Sie modifizieren ein Bezugswort im übergeordneten Satz. Das Bezugswort kann ein Nomen oder Pronomen (Indefinitpronomen, Demonstrativpronomen) sein. Oft steht der Relativsatz nach dem Bezugswort. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Rechtsattributen, weil sie sich auf ein Bezugswort beziehen, das rechts vom Relativsatz steht.

Formen

Relativpronomen

Wie bildet man Relativsätze?

Relativsätze beziehen sich auf ein Bezugsnomen im Hauptsatz. Dieses bestimmt das Genus und den Numerus des Relativpronomens im Nebensatz. Außerdem spielt ganz oft das Verb eine zentrale Rolle, um den Kasus des Relativpronomens zu bestimmen. Relativsätze mit einem Relativpronomen im Genitiv stehen jedoch meistens anstelle eines Genitivattributs oder Possessivartikels.  

Relativsätze im Genitiv – Wie erkenne ich sie?

Man erkennt Relativsätze mit einem Relativpronomen daran, dass hinter dem Relativpronomen im Nebensatz ein Nomen steht, das ohne Artikel gebraucht wird. Die Form des Nomens selbst richtet sich dabei nach der Struktur des Nebensatzes. Das Verb im Nebensatz bestimmt den Kasus des Nomens. 

Beispiel: Das ist der Musiker, dessen Ferienhaus Laura besucht hat. 

Identifikation des Relativpronomens

Schritt 1:
Das Genus und der Numerus des Relativpronomens im Nebensatz richten sich nach dem Genus und dem Numerus des Bezugswortes im Hauptsatz. Das Relativpronomen dessen steht also im Maskulinum und im Singular.

Schritt 2:
Welche Ergänzung benötigt das Verb im Nebensatz?
Das Verb im Nebensatz ist transitiv. Es benötigt ein Subjekt sowie eine Akkusativergänzung. Man kann den Nebensatz umformulieren und enthält dann folgenden Satz:
Laura hat ein Ferienhaus besucht.

Hinweis: Dieser Schritt ist notwendig, um die Satzglieder zu analysieren. Diese benötig man z.B. bei Transformationsübungen / Umformulierungen. 

Beispiel: Laura hat das Ferienhaus des Mannes besucht. 

Schritt 3:
Relativpronomen im Genitiv geben häufig ein Zugehörigkeitsverhältnis. Das Zugehörigkeitsverhältnis besteht zwischen dem Nomen im Nebensatz, vor dem das Relativpronomen steht und dem Bezugswort im Hauptsatz. Das Zugehörigkeitsverhältnis besteht also zwischen “der Musiker” und “Ferienhaus”.

Man kann diese Information mit “Wessen” erfragen:
Wessen Ferienhaus hat Laura besucht? – Das Ferienhaus des Musikers.
Die Antwort besteht aus einer komplexen Nominalphrase, die ein Genitivattribut enthält. Oft beziehen sich Relativsätze mit einem Relativpronomen auch auf Genitivattribute oder Possessivartikel.

der Musiker Bezugswort (Maskulin, Singular, Nominativ)
dessen Relativpronomen (Maskulin, Singular, Genitiv)
Ferienhaus Akkusativergänzung
Laura Subjekt
besucht hat Prädikat 

Relativsätze bilden 

Genitivattribute umformulieren

Man kann Genitivattribute mithilfe von Relativsätzen umformulieren. 

Genitivattribut: Die Eltern der Kinder sind erfolgreiche Musiker.
Relativsatz: Das sind die Kinder, deren Eltern erfolgreiche Musiker sind.

Possessivartikel umformulieren 

Possessivartikel zeigen ein Zugehörigkeits- bzw. Besitzverhältnis zwischen einem Bezugswort und dem Nomen, das hinter dem Possessivartikel steht, an. Relativsätze mit Relativpronomen im Genitiv ersetzen Possessivartikel. 

Hauptsatz 1: Das sind die Kinder.
Hauptsatz 2: Ihre Eltern sind erfolgreiche Musiker.
Relativsatz: Das sind die Kinder, deren Eltern erfolgreiche Musiker sind.

Verben und ihre Ergänzungen

Das Verb im Nebensatz bestimmt die Funktionen / Rollen der anderen Elemente im Satz. Es gibt zudem auch einige Verben, die eine Genitivergänzung fordern. Wenn das der Fall ist, muss man prüfen, welche Rolle / Funktion das Relativpronomen ausübt. Sehen wir uns die folgenden Beispiele näher an.

Relativsatz mit Genitivergänzung
Das ist die Frau, deren Mann des Diebstahls bezichtigt wird. 

Alternativen:
Mit zwei Hauptsätzen und Possessivartikel

Das ist die Frau. Ihr Mann wird des Diebstahls bezichtigt.

Hauptsatz mit Genitivattribut:
Der Mann der Frau wird des Diebstahls bezichtigt.

Relativpronomen im Genitiv
Es fehlen die finanziellen Mittel, derer / deren es bedarf, um das Projekt zu realisieren.

Alternativ:
Hauptsatz + Verb mit Genitivergänzung
Es bedarf finanzieller Mittel, um das Projekt zu realisieren.

Beispiele: 

Maskulines Bezugswort
Das ist der Musiker, dessen Ferienhaus in Brasilien steht. 

Neutrales Bezugswort
Das ist das Kind, dessen Ferienhaus in Brasilien steht.

Feminines Bezugswort
Das ist die Musikerin, deren Ferienhaus in Brasilien steht.

Bezugswort im Plural Das sind die Kinder, deren Eltern ein Ferienhaus in Brasilien haben.

Übung

W-Fragen | Frageadverbien, Fragepronomen und -artikel | Sprakuko

W-Fragen - Fragewörter Übersicht mit Beispielen

In diesem Beitrag lernen Sie, wie man in der deutschen Sprache W-Fragen bildet. In diesem Zusammenhang lernen Sie wichtige Fragewörter. Zu den Fragewörtern gehören Frageadverbien einerseits sowie Fragepronomen und -artikel andererseits. Weiterlesen W-Fragen | Frageadverbien, Fragepronomen und -artikel | Sprakuko

Wie heißen Sie? auf Türkisch? – 10 Fragen zum Kennenlernen

Wie sagt man "Wie heißen Sie" auf Türkisch?

Wie sagt man “Wie heißen Sie” eigentlich auf Türkisch? Laut einem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes von 2017 leben ca. 20 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, davon haben 2,9 Mio. – Stand 2015 – einen türkischen Migrationshintergrund. Obwohl die Einwanderung türkischer Menschen nach Deutschland auf eine lange Einwanderungsgeschichte zurückblickt, wissen die wenigsten Lehrkräfte etwas über die “Muttersprache” ihrer Kursteilnehmer/-innen. Wir haben 10 wichtige Fragen für Sie zusammengestellt, um Sie in Erst- und Integrationskursen etwas zu entlasten und hoffen, dass wir Ihnen einen kleinen Einblick in die türkischen Sprachstrukturen geben können.

Wie heißt du? / Wie heißen Sie? auf Türkisch 

(Senin) adin ne / Sizin adiniz ne?

Woher kommst du? / Woher kommen Sie? 

Sen nerelisin? / Siz nerelisiniz?

Wo wohnst du? / Wo wohnen Sie?

Nerede oturuyorsun? / Nerede oturuyorsunuz?

Wie alt bist du? / Wie alt sind Sie?

Kaç yaşındasın?/ Kaç yaşındasınız?

Was bist du von Beruf? / Was sind Sie von Beruf?

Mesleğin nedir? / Mesleğiniz nedir?

Bist du verheiratet? / Sind Sie verheiratet?

Evlimisin? / Evlimisiniz?

Hast du Kinder? / Haben Sie Kinder?

çocukların varmı? / çocuklarıniz varmı?

Was sind deine Hobbys? / Was sind Ihre Hobbys?

Hobilerin neler? / Hobileriniz neler?

Welche Sprachen sprichst du? / Welche Sprachen sprechen Sie?

Hangi dilleri konuşuyorsun? / Hangi dilleri konuşuyorsunuz?

Wie geht es dir? / Wie geht es Ihnen?

Nasılsın? / Nasılsıniz?

Auch im Türkischen ist eine Unterscheidung der Person möglich. Die fettgedruckten Wortbestandteile (Morpheme) weisen auf die informelle bzw. formelle Variante hin. So sagt man im Tükischen (Senin) adin ne? für “Wie heißt du?” und Sizin adiniz ne? für “Wie heißen Sie?“. Übrigens würde man für “Ich heiße …” auf Türkisch Benim adin ne sagen.

Hier können Sie eine PDF-Datei der Übersicht herunterladen. Sie können die Datei vervielfältigen und für Ihre Unterrichtszwecke verwenden. Achten Sie jedoch auf das Urheberrecht.

Weitere Kopiervorlagen für Ihren Unterricht finden Sie hier: Kopiervorlagen/Arbeitsblätter

Ergänzungssätze | Infinitivsätze mit “zu” | Tipps und Beispielsätze

Infinitivsätze mit zu

Infinitivsätze mit zu 

Infinitivsätze mit “zu” sind von bestimmten Verben abhängig und werden deshalb auch Ergänzungen bzw. Verbergänzungen genannt. Im Gegensatz zum “dass”-Satz, bei dem das Subjekt im Haupt- und Nebensatz meistens verschieden ist, haben Infinitivsätze kein eigenes Subjekt.

Weiterlesen Ergänzungssätze | Infinitivsätze mit “zu” | Tipps und Beispielsätze

Ergänzungssätze mit “dass”. Wann stehen “dass”-Sätze?

Ergänzungssätze mit "dass"

“dass”-Sätze – Hinweise

Gebrauch

“dass”-Sätze sind im Gegensatz zu den adverbialen Nebensätzen keine Angabesätze, die weitere Informationen über Gründe (kausal). Absichten (final), Bedingungen (konditional) usw. geben, sondern Ergänzungssätze, die von bestimmten Verben gefordert werden.

“dass”-Sätze sind Nebensätze und können vor oder nach dem Hauptsatz stehen. Das finite Verb steht – wie für Nebensätze üblich – am Satzende. Im Hauptsatz als auch im Nebensatz gibt es ein eigenes Subjekt.

Weiterlesen Ergänzungssätze mit “dass”. Wann stehen “dass”-Sätze?

Relativsätze: Form, Funktion, Hinweise und Beispielsätze

Relativsätze
Beispiel: Relativsatz mit Relativpronomen im Dativ Plural.

Was sind Relativsätze?

Relativsätze sind Nebensätze, die ein Bezugswort (meistens ein Nomen) im Hauptsatz näher bestimmen. Relativsätze beginnen meistens mit einem Relativpronomen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, sie mithilfe von relativen Pronominaladverbien oder Präpositionen einzuleiten.

Syntaktisch gesehen sind Relativsätze keine Satzglieder, sondern Teile eines Satzgliedes bzw. Attribute. Sie modifizieren ein Bezugswort im übergeordneten Satz. Das Bezugswort kann ein Nomen oder Pronomen (Indefinitpronomen, Demonstrativpronomen) sein. Oft steht der Relativsatz nach dem Bezugswort. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Rechtsattributen, weil sie sich auf ein Bezugswort beziehen, das rechts vom Relativsatz steht.

Ein kurzer linguistischer Ausflug

In dem Satz Der Lehrer, der sehr nett ist, kommt aus Heidelberg bezieht sich der Relativsatz [der sehr nett ist] auf das Nomen Lehrer im übergeordneten Hauptsatz und bestimmt diesen näher. Mit syntaktischen Tests wie z.B. der Umstellprobe können zusammengehörige Elemente eines Satzes identifiziert werden. Dabei lässt sich beispielsweise feststellen, dass die Umstellung des Relativsatzes ans Satzende keinen Sinn ergibt: *Der Lehrer kommt aus Heidelberg, der sehr nett ist  Im Gegensatz dazu ist eine Abfolge wie z.B. Kommt der Lehrer, der sehr nett ist, aus Heidelberg? akzeptabel. Anhand dieses Tests kann man erkennen, dass [der Lehrer], [der sehr nett ist], [kommt] und [aus Heidelberg] zusammengehörige Elemente zu sein scheinen. Man spricht hier auch von sog. syntaktischen Kategorien. Diese wiederum haben eine bestimmte Funktion im Satz, die je nach Position und semantische Rolle erschlossen werden können. Man spricht von syntaktischen Funktionen (in Schulgrammatiken als Satzglieder bezeichnet). In unserem Beispielsatz bildet die Konstituenten [Der Lehrer, der sehr nett ist] das Subjekt, [kommt] das Prädikat und [aus Heidelberg] ein Lokaladverbial.

Formen

Relativpronomen

Hinweise: Wie bildet man Relativsätze?

Bei der Wahl des Relativpronomens sind einige Aspekte zu beachten. Zum einen sind Genus und Numerus identisch mit dem Genus und Numerus des Bezugswortes. Zum anderen spielt das Verb im Nebensatz eine zentrale Rolle, um den Kasus des Relativpronomens zu bestimmen. Außerdem richtet sich der Kasus nach der syntaktischen Funktion im Nebensatz.

Verben und ihre Ergänzungen

Das Verb spielt in der deutschen Sprache eine zentrale Rolle, da von ihm die syntaktischen Funktionen der anderen Elemente im Satz zugewiesen werden. Auch in Relativsätzen hilft eine Analyse des Verbs. Sehen Sie sich zunächst das folgende Beispiel an und überlegen Sie sich, welche Ergänzung das Verb fordert und welche syntaktische Funktion das Relativpronomen einnimmt (mehrere Möglichkeiten).

Beispiel: Der Mann, ______ Marie liebt, kommt aus Heidelberg.

Nominativ oder Akkusativ?!

Das obige Beispiel zeigt, dass die Kenntnis über die Ergänzungen des Verbs im Relativsatz allein nicht ausreicht, um das Relativpronomen zu bestimmen. Man muss alle Elemente des Relativsatz analysieren und deren syntaktischen Funktionen bestimmen.

Schritt 1: Welche Ergänzung hat das Verb “lieben”?

Das Verb lieben ist ein transitives Verb Es fordert demzufolge eine Akkusativergänzung (direktes Objekt). Um einen Satz zu bilden, bedarf es neben dem Prädikat noch ein Subjekt. Das bedeutet, dass es im Relativsatz ein Subjekt, ein Prädikat (lieben) und ein Akkusativobjekt geben muss!

Schritt 2: Welche Funktionen übernehmen die Elemente im Satz?

Im 2. Schritt muss man festlegen, welche Rollen bzw. Funktionen die Elemente im Satz einnehmen. Konkret: Welche Funktion soll das Relativpronomen übernehmen? Welche Funktion der Eigenname Marie? Diese Fragen sind entscheidend. Die Frage ist: Wer liebt wen? Liebt der Mann Marie oder liebt Marie den Mann?

Relativpronomen im Nominativ
Der Mann, der Marie liebt, kommt aus Heidelberg.
Bedeutung: Der Mann liebt Marie.
Frage: Wer liebt Marie? – Der Mann.
Relativpronomen im Akkusativ
Der Mann, den Marie liebt, kommt aus Heidelberg.
Bedeutung: Marie liebt den Mann.
Frage: Wen liebt Marie? – Den Mann.

Stellung im Satz

Die syntaktische Distribution des Relativpronomens spielt eine Rolle bei der Zuordnung des richtigen Kasus. Steht das Relativpronomen nach einer Präposition, so bestimmt die Präposition den Kasus. Das bedeutet also, dass Relativsätze mit Präpositionen eingeleitet werden, wenn es in den jeweiligen Relativsätzen Verben mit Präpositionen gibt.

  1. Das ist die Frau, in die ich mich unsterblich verliebt habe. (verlieben in + Akkusativ)
  2. Das ist die Frau, mit der ich Pferde stehlen könnte. (mit + Dativ)
  3. Das ist die Frau, ohne die ich nicht leben kann. (ohne + Akkusativ)

Syntaktische Funktionen

Der Kasus des Relativpronomens richtet sich u. a. nach der syntaktischen Funktion im Satz.

  1. Das ist die Frau, die so gut singen kann. (Subjekt)
  2. Das ist die Frau, die ich gerne zu einem Abendessen einladen würde. (Akkusativobjekt / direktes Objekt)
  3. Das ist die Frau, der ich einen Rosenstrauß geschenkt habe. (Dativobjekt / Indirektes Objekt)

Beispielsätze

  1. Wo finde ich das T-Shirt, das Sie im Schaufenster ausstellen?
  2. Max und Moritz sind zwei Jungen, die gerne Streiche spielen.
  3. Viele Menschen träumen von einem Job, der sie erfüllt.
  4. Das Kind beschreibt einen Gegenstand, den es im letzten Urlaub gefunden hat.
  5. Es gibt Menschen, denen ich kein einziges Wort glaube.
  6. Ist das die Frau, dessen Firma die Modebranche dominiert?!
  7. Wo sind die zwei Schüler, deren Fahrräder am Eingang stehen?
  8. Das ist der Techniker, mit dessen Hilfe ich den Beamer einschalten konnte.
  9. Es gibt einige Momente im Leben, von denen ich nicht genug kriegen kann.
  10. Ist es wirklich die Lautstärke, über die du dich aufregst?

Übungen

Temporalsätze: Definition, Hinweise und Beispielsätze

Definition – Temporale Nebensätze

Temporale Nebensätze werden mit den Subjunktionen “als”, “bevor”, “bis”, “nachdem”, “sobald”, “solange”, “während” oder “wenn”  eingeleitet. Sie dienen der zeitlichen Anordnung eines Ereignisses oder mehrerer Ereignisse.

Temporaler Nebensatz mit als

Temporale Nebensätze mit “als” beschreiben einmalige Ereignisse in der Vergangenheit (siehe dazu auch die Subjunktion “wenn”, mit der mehrmalige Ereignisse in der Vergangenheit ausgedrückt werden).

  1. Als ich Kind war, träumte ich davon, fliegen zu können wie Peter Pan.
  2. Ich habe mich sofort in sie verliebt, als ich sie zum ersten Mal sah.

Temporaler Nebensatz mit bevor

Temporale Nebensätze mit “bevor” beschreiben Handlungen, die nach der Handlung des Hauptsatzes liegen. Mit diesen Nebensätzen wird Nachzeitigkeit ausgedrückt. Die Nachzeitigkeit wird durch unterschiedliche Tempusformen im Haupt- und Nebensatz markiert.

  1.  Bevor ich jogge, frühstücke ich nichts.
  2. Ich ging am See spazieren, bevor es heftig zu regnen begann.

Temporaler Nebensatz mit bis

Temporale Nebensätze mit “bis” beschreiben Handlungen, die nach der Handlung des Hauptsatzes liegen. Mit diesen Nebensätzen wird Nachzeitigkeit ausgedrückt. Die Nachzeitigkeit wird durch unterschiedliche Tempusformen im Haupt- und Nebensatz markiert.

  1.  Ich brauche mindestens noch drei Semester, bis ich mein Studium beende.
  2. Es waren viele Jahre vergangen, bis wir uns endlich wieder begegneten.

Temporaler Nebensatz mit nachdem

Temporalsätze mit “nachdem” beschreiben Handlungen, die vor der Handlung des Hauptsatzes liegen. Mit diesen Nebensätzen wird Vorzeitigkeit ausgedrückt. Die Vorzeitigkeit wird durch unterschiedliche Tempusformen im Haupt- und Nebensatz markiert.

  1. Nachdem er seine Hände gewaschen hatte, fing er an zu kochen.
  2. Nachdem ich mich bei ihr entschuldige habe, sprechen wir wieder miteinander.

Temporaler Nebensatz mit sobald

Temporale Nebensätze mit “sobald” drücken eine Handlung oder ein Ereignis aus, die/das vor der Handlung oder dem Ereignis des Hauptsatzes liegen. Das Ereignis des Nebensatzes liegt zeitlich vor dem Ereignis des Hauptsatzes.

  1. Sobald ich mit der Arbeit fertig bin, fahre ich nach Hause. (Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen)
  2. Ich bekomme Depressionen, sobald der Winter beginnt. (Erst fängt der Winter an, dann fangen meine Depressionen an)

Temporaler Nebensatz mit solange

Temporale Nebensätze mit “solange” drücken ein Ereignis aus, das gleichzeitig zu dem Ereignis des Hauptsatzes erfolgt. Eine Besonderheit dieser Nebensätze ist, dass sie das Ende beider Handlungen hervorheben.

  1. Solange ich regelmäßig trainiere, halte ich mein Gewicht. (Wenn ich nicht mehr regelmäßig trainiere, werde ich wohl auch mein Gewicht nicht mehr halten können)
  2. Bitte verhalten Sie sich leise, solange Sie sich in der Bibliothek aufhalten. (Wenn Sie die Bibliothek verlassen, müssen Sie sich auch nicht mehr leise verhalten)

Temporaler Nebensatz mit während

Um zwei gleichzeitig ablaufende Handlungen auszudrücken, benutzt man Temporalsätze mit “während”.

  1. Während ich eine Zeitung lese, trinke ich einen Tee.
  2. Während er zur Arbeit ging, blieb sie mit dem Kind zu Hause.

Temporaler Nebensatz mit wenn

Temporale Nebensätze mit “wenn” beschreiben einmalige Ereignisse in der Gegenwart oder in der Zukunft.

  1. Wenn ich heute mein Buch präsentiere, denke ich an dich.
  2. Wenn ich Klara am Freitagabend treffe, werde ich vor Aufregung wahrscheinlich kein Wort herausbringen.

Darüber hinaus werden Temporalsätze mit “wenn” genutzt, um mehrmalige Ereignisse in der Vergangenheit zu beschreiben.

  1. Es gab immer Apfelkuchen mit Sahne, wenn ich meine Großmutter besuchte.
  2. Wenn ich zur Arbeit fahre, höre ich die Nachrichten im Radio.

Hinweise

Einige temporale Nebensätze können durch Präpositionalangaben ersetzt werden.

Temporale Nebensätze mit während -> während + Genitiv

Temporaler Nebensatz: Während ich mit dem Zug nach Frankfurt fahre, lese ich ein Buch.

Temporale Präpositionalangabe: Während der Zugfahrt nach Frankfurt lese ich ein Buch.

Temporale Nebensätze mit wenn oder als -> bei + Dativ

Temporaler NebensatzWenn ich heute mein Buch präsentiere, denke ich an dich.

Temporale Präpositionalangabe: Bei meiner heutigen Präsentation denke ich an dich.

Temporale Nebensätze mit bevor -> vor + Dativ

Temporaler Nebensatz: Bevor ich jogge, frühstücke ich nichts.

Temporale Präpositionalangabe: Vor dem Joggen frühstücke ich nichts.

Temporale Nebensätze mit nachdem -> nach + Dativ

Temporaler Nebensatz: Nachdem er seine Hände gewaschen hatte, fing er an zu kochen.

Temporale Präpositionalangabe: Nach dem Händewaschen fing er an zu kochen. 

Beispielsätze – Temporale Nebensätze

  1. Während er einen Kaffee trinkt, liest er die Tageszeitung. (gleichzeitig)
  2. Nachdem er gefrühstückt hatte, fuhr er zur Arbeit. (Vorzeitigkeit)
  3. Bevor er zur Arbeit fuhr, frühstückte er. (Nachzeitigkeit)
  4. Als ich fünf Jahre alt war, verbrachte ich einen Sommer in Spanien. (einmaliges Ereignis)
  5. Wenn ich meine Oma besuchte, fühlte ich mich sehr wohl. (mehrmaliges Ereignis)
  6. Ich freue mich, wenn die Sonne scheint. (Angabe eines Zeitpunktes)
  7. Bitte ruf mich an, sobald du zu Hause ankommst. (Vorzeitigkeit)
  8. Solange du nicht aufgegessen hast, bleibst du am Tisch sitzen. (gleichzeitig, Nebensatz markiert Ende der Handlung des Hauptsatzes)
  9. Es waren viele Jahre vergangen, bis wir uns endlich wieder begegneten. (Nachzeitigkeit)

Übung

Modale Nebensätze: Definition, Hinweise und Beispielsätze

Definition

Modale Nebensätze werden mit der Subjunktion indem eingeleitet. Sie geben die Art und Weise oder das Mittel an, die/das zu einer bestimmten Entwicklung, Handlung oder Situation führt. 

Subjunktionen: indem

Frage: Wie? Auf welche Art und Weise? 

Wie kann man erfolgreich sein? – Indem man hart arbeitet.

Hinweise

Modale Nebensätze mit indem kann man durch modale Präpositionalangaben (durch + Nominalisierung) ersetzen:

Konsekutiver Nebensatz: Man kann erfolgreich sein, indem man hart arbeitet.

Modale Präpositionalangabe: Durch hartes Arbeiten kann man erfolgreich sein.

Beispielsätze

  1. Sie können das Gerät abschalten, indem Sie den Ausschaltknopf 5 Sekunden gerückt halten.
  2. Das Unternehmen macht Werbung für ein Produkt, indem es Pröbchen an Kunden verteilt.
  3. Sie können sich politisch beteiligen, indem sie wählen gehen.
  4. Sie können etwas Gutes für die Umwelt tun, indem Sie ihr Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

Weitere Informationen zu adverbialen Nebensätzen finden Sie in unserer Grammatik: Sprakukos DaF-/DaZ-Grammatik

Konsekutive Nebensätze mit “sodass” oder “so … dass”

Definition

Konsekutive Nebensätze werden mit der Subjunktion “sodass” eingeleitet. Sie geben eine Folge zur Äußerung im Hauptsatz an.

Hinweise

Konsekutive Nebensätze mit sodass kann man durch bestimmte Adverbien wie z.B. deshalb, darum, daher, deswegen oder folglich ersetzen:

Konsekutiver Nebensatz: Im Zimmer ist es sehr hell, sodass ich nicht schlafen kann.

Adverb: Im Zimmer ist es sehr hell. Deshalb / Daher / Darum / Deswegen / Folglich kann ich nicht schlafen.

Beispielsätze

  1. Das Wetter ist so schlecht, dass ich keine Fuß vor die Tür setzen möchte.
  2. Die Baustelle vor der Firma ist sehr laut, sodass wir uns nicht auf unsere Arbeit konzentrieren können.
  3. Der Marathonläufer sank vor dem Ziel auf die Knie, sodass er ins Ziel getragen werden musste.

Weitere adverbiale Nebensätze finden Sie in unserer Grammatik: Sprakukos DaF-/DaZ-Grammatik