Wortschatz Covid-19-Pandemie

Wie schreibt man Quarantäne und wie spricht man es aus?

Ende 2019 breite sich von China ausgehend ein Virus aus, das als Covid-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) die Welt in Atem hält und bis dato „leider“ nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken ist.
Tägliche Berichterstattungen in Presse und Rundfunk rund um das Thema Covid-19 gehören zum Alltag dazu und zeigen nicht nur Veränderungen des öffentlichen Lebens auf, sondern auch Veränderungen in der Sprache. 

Corona- in der Wortbildung

Die Corona-Pandemie hat zu vielen Wortbildungen geführt, von denen aktiv Gebrauch gemacht wird. In vielen Beispielen finden wir Wortzusammensetzungen, die mit einem Bindestrich versehen sind. Das liegt oft daran, dass man beide Bestandteile hervorheben möchte. Oftmals kann man beide Bestandteile zusammen schreiben, wie etwa die Beispiele Coronakrise oder Coronapandemie zeigen.

Corona als Erstglied

Bei den folgenden Komposita (Wortzusammensetzungen) wird der Übersichtlichkeit halber ein Bindestrich gesetzt. 

Corona-Abstrich
Corona-Abstrichstelle
Corona-Ampel
Corona-Antigen-Schnelltest
Corona-App
Corona-Ausschuss
Corona-Arbeitsschutzverordnung
Corona-Beschlüsse
Corona-Fälle
Corona-Geld
Corona-Gesetz
Corona-Gipfel
Corona-Hilfe
Corona-Hotline
Corona-Impfung
Corona-Inzidenz
Corona-Krise
Corona-Lockdown
Corona-Lockerung
Corona-Maske
Corona-Maßnahme
Corona-Mutation
Corona-Pandemie
Corona-Prämie
Corona-Quarantäne
Corona-Regeln
Corona-Risikogebiete
Corona-Schutzimpfung
Corona-Test
Corona-Untersuchung
Corona-Verordnung
Corona-Warn-App
Corona-Zahlen
Corona-Zuschuss

Neubildungen während der Pandemie

Im Rahmen der Coronapandemie sind auch viele Neubildungen zu vernehmen. Wörter wie z.B. die Komposition Corona-Pandemie oder die Kurzform AHA landen in den Top 10 der von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählten Wörter des Jahres 2020.  

AHA-Formel Regel
Untersuchungen zur Gegenwartssprache der GfdS haben ergeben, dass ca. 1200 neue Wörter im Laufe der Pandemie erschaffen oder bestehende Wörter um neue Bedeutungen ergänzt wurden.  Dieser Befund zeigt auch, wie dynamisch Sprache ist und wie schnell es gehen kann, dass neue Wörter bzw. Neologismen die Sprache bereichern. 
Medial in Erscheinung getreten sind dabei ganz besonders folgende Neologismen:

  • Ampelwarnsystem
  • Abstrichzentrum
  • Abstandsregel
  • Balkonkonzert
  • Behelfsmaske
  • Breakoutroom
  • Bürgerdisziplin
  • Coronaapp
  • Coronahotspot
  • Coronasoforthilfe
  • Coronatest
  • Coronawarnapp
  • Drive-in-Testzentrum
  • Fußshake
  • Inzidenzwert 
  • Hamsteritis
  • harter Lockdown
  • Hustenetikette
  • Impfstraße
  • Impfpriorisierung
  • Klopapierhamstern 
  • Krisenkanzlerin 
  • Mund-Nasen-Schutz
  • mRNA-Impfstoff
  • Risikogebiet
  • R-Wert
  • SAR-Wert
  • Soforthilfe
  • Teillockdown
  • Testzentrum
  • Triage
  • Warnapp
  • Wuhanvirus 
  • Zero-Covid-Strategie

    Eine nähere Betrachtung der Wörter zeigt, dass die fortwährende Krisensituation einschneidende Veränderungen im gesellschaftlichen Leben mit sich brachte, die sich in der Sprache niederschlugen.  Die Sprache ist ein Abbild dessen, was mit Beginn der Corona-19-Pandemie die Weltbevölkerung beschäftigt. Eine Virusinfektion, die das öffentliche Leben lahmlegt und die Menschheit vor die Mammut-Aufgabe stellt, ein scheinbar unkontrollierbares Virus einzudämmen. Dazu bedarf es Lösungsansätzen und neuen Konzepten, die in dieser Form ein Novum sein sollten: Eine Coronaapp soll helfen, Infektionsketten nachverfolgen zu können, Testzentren sollen das Infektionsgeschehen kontrollieren und ein Ampelwarnsystem soll die Risikolage bestimmter Regionen/Kreise anzeigen und bestimmen, wann politische Entscheidungen zu Einschränkungen im öffentlichen und/oder Privaten leben getroffen werden müssen. Für diese exemplarisch dargestellten Szenarien mussten neue Begrifflichkeiten gefunden werden, da es für diese in der deutschen Sprache keine passenden Wörter gab. 
    Zugriff auf den gesamten Korpus des Leipniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) erhalten Sie hier.

Häufige Wörter & Phrasen

Im Laufe der Covid-19-Pandemie haben eine Vielzahl neuer Wörter Eingang in die deutsche Sprache gefunden. Darüber hinaus werden auch bereits vorhandene Wörter häufiger verwendet, da sie unter gegenwärtigen Umständen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Dazu gehören Beschränkungen und Einschränkungen, die zur Eindämmung des Infektionsgeschehens als notwendig erscheinen. Dazu gehören Ausgangsbeschränkungen oder gar -sperren, Kontaktbeschränkungen, Reisebeschränkungen usw.
Viele Menschen arbeiten und lernen von zuhause aus, was dazu führt, das Wörter wie Home-Office oder Home-Schooling in aller Munde sind bzw. sehr frequent gebraucht werden. In den sozialen Netzwerken kursieren Hashtags wie z.B. #WIRSINDFÜRSIEDA oder #BLEIBENSIEGESUND und zeigen, an welche Werte die Nutzer appellieren. Es geht um Solidarität und Zusammenhalt und dabei auch, um zwei Wörter, die in den letzten Monaten häufiger im öffentlichen Diskurs gefallen sind. 
Die Pandemie und damit verbundene Entscheidungen und Maßnahmen führen zu neuen Situationen, mit denen man auch sprachlich anders umgehen muss und aktiv auf Wörter zurückgreift, die die gegebene Situation sprachlich am besten abbilden.  
Eine kleine Übersicht zu Wörtern, die besonders häufig in den sozialen Netzwerken und in Alltagsgesprächen in Erscheinung traten:

  • Abstand halten
  • AstraZeneca (negativ konnotiert)
  • Bleiben Sie gesund!
  • Home-Office
  • Home-Schooling
  • Impfung
  • Impfstoff
  • Lockdown
  • Social-Distancing
  • wegen Corona
  • #Wirsindfürsieda

Was ist jetzt mit Quarantäne?

Wie man Quarantäne schreibt dürfte mittlerweile den meisten klar sein. Aber ist auch jedem klar, wie man die das Wort Quarantäne ausspricht. Wenn es um die Aussprache geht, ist die Laut-Buchstaben-Zuordnung von besonderem Interesse. Das Wort beginnt mit der Buchstabenkombination , die verschiedene Aussprachevarianten zulässt. Welche das ist, hängt meist von der Herkunft des Wortes ab. Das Wort Quarantäne ist aus dem Französischen entlehnt, wie es auch bei den Lehnwörtern Quiche und Queue der Fall ist. Alle Lehnwörtern aus dem Französischen, die mit der Buchstabenkombination beginnen, haben gemeinsam, dass als [k] ausgesprochen wird.
In diesem Zusammenhang spricht man Quarantäne, Quiche und Queue als [
karanˈtɛːnə], [kiʃ] und [kø:] aus. Im Online-Wörterbuch auf Duden.de (Zugriff am 23.03.2021) sind jedoch auch die Aussprachevarianten [karɑ̃ˈtɛːnə] und [kvaranˈtɛːnə] angegeben. Gerade letztere Variante lässt aufhorchen und führt dann zu der Frage, ob man von einer Quarantäne [karanˈtɛːnə] oder „Kwarantäne“ [kvaranˈtɛːnə] sprechen soll. Letztere Aussprachevariante gilt laut der GfdS als standarsprachlich nicht korrekte Aussprache. Dennoch liegen die sprachlichen Zweifel v.a. darin begründet, dass im Deutschen die Buchstabenkombination sehr häufig als [kv] ausgesprochen wird. Die Beispiele wie z.B. Qualifikation, Quark, Querulanz oder Quittung werden allesamt mit den Anfangslauten [kv] ausgesprochen. Wird dieses Prinzip „fälschlicherweise“ übernommen, kommt es nicht selten zu Fragen bezüglich der richtigen Aussprache.  
Wenn Sie dazu noch vertiefte Informationen suchen, kann ich Ihnen die Seiten der Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. uneingeschränkt empfehlen. 

Quellen & Links

DWDS Themenglossar zur COVID-19-Pandemie (bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/themenglossar/Corona>, zuletzt geändert am 22.02.2021, abgerufen am 23.03.2021)
© Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (https://www.dwds.de)

Neologismenwörterbuch OWID (Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS))
© Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (https://www.ids-mannheim.de)

Aktuelle Stellungnahmen zur Sprache in der Coronakrise (Hier finden Sie Sprachglossen und wissenschaftliche Beiträge rund um die Sprache in Coronazeiten.
© Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (https://www.ids-mannheim.de)

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