Relativsätze: Form, Funktion, Hinweise und Beispielsätze

Relativsätze
Beispiel: Relativsatz mit Relativpronomen im Dativ Plural.

Was sind Relativsätze?

Relativsätze sind Nebensätze, die ein Bezugswort (meistens ein Nomen) im Hauptsatz näher bestimmen. Relativsätze beginnen meistens mit einem Relativpronomen. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, sie mithilfe von relativen Pronominaladverbien oder Präpositionen einzuleiten.

Syntaktisch gesehen sind Relativsätze keine Satzglieder, sondern Teile eines Satzgliedes bzw. Attribute. Sie modifizieren ein Bezugswort im übergeordneten Satz. Das Bezugswort kann ein Nomen oder Pronomen (Indefinitpronomen, Demonstrativpronomen) sein. Oft steht der Relativsatz nach dem Bezugswort. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Rechtsattributen, weil sie sich auf ein Bezugswort beziehen, das rechts vom Relativsatz steht.

Ein kurzer linguistischer Ausflug

In dem Satz Der Lehrer, der sehr nett ist, kommt aus Heidelberg bezieht sich der Relativsatz [der sehr nett ist] auf das Nomen Lehrer im übergeordneten Hauptsatz und bestimmt diesen näher. Mit syntaktischen Tests wie z.B. der Umstellprobe können zusammengehörige Elemente eines Satzes identifiziert werden. Dabei lässt sich beispielsweise feststellen, dass die Umstellung des Relativsatzes ans Satzende keinen Sinn ergibt: *Der Lehrer kommt aus Heidelberg, der sehr nett ist  Im Gegensatz dazu ist eine Abfolge wie z.B. Kommt der Lehrer, der sehr nett ist, aus Heidelberg? akzeptabel. Anhand dieses Tests kann man erkennen, dass [der Lehrer], [der sehr nett ist], [kommt] und [aus Heidelberg] zusammengehörige Elemente zu sein scheinen. Man spricht hier auch von sog. syntaktischen Kategorien. Diese wiederum haben eine bestimmte Funktion im Satz, die je nach Position und semantische Rolle erschlossen werden können. Man spricht von syntaktischen Funktionen (in Schulgrammatiken als Satzglieder bezeichnet). In unserem Beispielsatz bildet die Konstituenten [Der Lehrer, der sehr nett ist] das Subjekt, [kommt] das Prädikat und [aus Heidelberg] ein Lokaladverbial.

Formen

Relativpronomen

Hinweise: Wie bildet man Relativsätze?

Bei der Wahl des Relativpronomens sind einige Aspekte zu beachten. Zum einen sind Genus und Numerus identisch mit dem Genus und Numerus des Bezugswortes. Zum anderen spielt das Verb im Nebensatz eine zentrale Rolle, um den Kasus des Relativpronomens zu bestimmen. Außerdem richtet sich der Kasus nach der syntaktischen Funktion im Nebensatz.

Verben und ihre Ergänzungen

Das Verb spielt in der deutschen Sprache eine zentrale Rolle, da von ihm die syntaktischen Funktionen der anderen Elemente im Satz zugewiesen werden. Auch in Relativsätzen hilft eine Analyse des Verbs. Sehen Sie sich zunächst das folgende Beispiel an und überlegen Sie sich, welche Ergänzung das Verb fordert und welche syntaktische Funktion das Relativpronomen einnimmt (mehrere Möglichkeiten).

Beispiel: Der Mann, ______ Marie liebt, kommt aus Heidelberg.

Nominativ oder Akkusativ?!

Das obige Beispiel zeigt, dass die Kenntnis über die Ergänzungen des Verbs im Relativsatz allein nicht ausreicht, um das Relativpronomen zu bestimmen. Man muss alle Elemente des Relativsatz analysieren und deren syntaktischen Funktionen bestimmen.

Schritt 1: Welche Ergänzung hat das Verb “lieben”?

Das Verb lieben ist ein transitives Verb Es fordert demzufolge eine Akkusativergänzung (direktes Objekt). Um einen Satz zu bilden, bedarf es neben dem Prädikat noch ein Subjekt. Das bedeutet, dass es im Relativsatz ein Subjekt, ein Prädikat (lieben) und ein Akkusativobjekt geben muss!

Schritt 2: Welche Funktionen übernehmen die Elemente im Satz?

Im 2. Schritt muss man festlegen, welche Rollen bzw. Funktionen die Elemente im Satz einnehmen. Konkret: Welche Funktion soll das Relativpronomen übernehmen? Welche Funktion der Eigenname Marie? Diese Fragen sind entscheidend. Die Frage ist: Wer liebt wen? Liebt der Mann Marie oder liebt Marie den Mann?

Relativpronomen im Nominativ
Der Mann, der Marie liebt, kommt aus Heidelberg.
Bedeutung: Der Mann liebt Marie.
Frage: Wer liebt Marie? – Der Mann.
Relativpronomen im Akkusativ
Der Mann, den Marie liebt, kommt aus Heidelberg.
Bedeutung: Marie liebt den Mann.
Frage: Wen liebt Marie? – Den Mann.

Stellung im Satz

Die syntaktische Distribution des Relativpronomens spielt eine Rolle bei der Zuordnung des richtigen Kasus. Steht das Relativpronomen nach einer Präposition, so bestimmt die Präposition den Kasus. Das bedeutet also, dass Relativsätze mit Präpositionen eingeleitet werden, wenn es in den jeweiligen Relativsätzen Verben mit Präpositionen gibt.

  1. Das ist die Frau, in die ich mich unsterblich verliebt habe. (verlieben in + Akkusativ)
  2. Das ist die Frau, mit der ich Pferde stehlen könnte. (mit + Dativ)
  3. Das ist die Frau, ohne die ich nicht leben kann. (ohne + Akkusativ)

Syntaktische Funktionen

Der Kasus des Relativpronomens richtet sich u. a. nach der syntaktischen Funktion im Satz.

  1. Das ist die Frau, die so gut singen kann. (Subjekt)
  2. Das ist die Frau, die ich gerne zu einem Abendessen einladen würde. (Akkusativobjekt / direktes Objekt)
  3. Das ist die Frau, der ich einen Rosenstrauß geschenkt habe. (Dativobjekt / Indirektes Objekt)

Beispielsätze

  1. Wo finde ich das T-Shirt, das Sie im Schaufenster ausstellen?
  2. Max und Moritz sind zwei Jungen, die gerne Streiche spielen.
  3. Viele Menschen träumen von einem Job, der sie erfüllt.
  4. Das Kind beschreibt einen Gegenstand, den es im letzten Urlaub gefunden hat.
  5. Es gibt Menschen, denen ich kein einziges Wort glaube.
  6. Ist das die Frau, dessen Firma die Modebranche dominiert?!
  7. Wo sind die zwei Schüler, deren Fahrräder am Eingang stehen?
  8. Das ist der Techniker, mit dessen Hilfe ich den Beamer einschalten konnte.
  9. Es gibt einige Momente im Leben, von denen ich nicht genug kriegen kann.
  10. Ist es wirklich die Lautstärke, über die du dich aufregst?

Übungen

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