schonmal oder schon mal?

schonmal oder schon mal? Welche Schreibweise ist richtig?

Habt ihr schon einmal etwas Verbotenes getan? Oder habt ihr schon einmal einen Delfin im Meer schwimmen sehen? Euch dürfte die Antwort, was ihr schon einmal gemacht habt oder nicht, wohl einfach fallen. Vor allem in Bezug auf die Rechtschreibung. Aber wie sieht es in der Umgangssprache aus? Sagt bzw. schreibt man dann anstelle von schon einmal „schonmal“ oder „schon mal“

schonmal oder schon mal?

Wie in der Einleitung bereits angedeutet gibt es neben der Kombination der Adverbien schon und einmal auch einer verkürzte Version, nämlich schon + mal. Da das Zahlwort ein nun durch schon ersetzt werden soll, stellt sich häufig die Frage, ob man zusammen oder getrennt schreiben sollte. Die Frage wird dadurch erschwert, dass es mit erstmal und nochmal ähnliche Wortverbindungen gibt, die man sowohl getrennt als auch zusammenschreiben kann: erst mal und erstmal sowie noch mal und nochmal. Können wir daraus schließen, dass diese Regel auch für schon mal bzw. schonmal gilt?
Die klare Antwort lautet: Nein, das kann man leider nicht. Die Zusammenrückung beider Adverbien wird nach den offiziellen Regeln deutscher Rechtschreibung getrennt geschrieben: schon mal

Bei der Form schon mal handelt es ich um eine verkürzte Form der Adverbien schon und einmal. Beide Varianten schreibt man getrennt!

Beispiele

(1) Habt ihr in der Schule schon mal abgeschrieben? 

(2) Kennst du jemanden, der schon mal etwas im Fernsehen gewonnen hat?

(3) Kennt ihr das Restaurant? – Ja, wir waren im letzten Jahr schon mal dort. Das Esser war sehr lecker!

(4) Stefan war schon mal in Brasilien auf Geschäftsreise. 

Fazit

Es ist nachvollziehbar, dass in Bezug auf die korrekte Schreibweise Fragen aufkommen. Verantwortlich dafür sind Formen wie z.B. nochmal oder erstmal, bei denen sowohl die Getrennt- als auch die Zusammenschreibung korrekt ist.
Anders verhält es sich jedoch bei der verkürzten Form von schon einmal. Man schreibt sowohl schon einmal als auch schon mal getrennt 

Korrekte Schreibweise: schon mal

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wiederspiegeln oder widerspiegeln?

wiederspiegeln oder widerspiegeln? Welche Schreibweise ist richtig?

Die Vorsilben wieder und wider klingen gleich, den sie haben ein identischen Lautbild: [ˈvi:dɐ]. Beide können in trennbare und nicht-trennbaren Wortverbindungen stehen. Einen Beitrag zu den Präfixen wieder- und wider- finden Sie hier. Doch was ist mit dem Wort widerspiegeln? Schreibt man wiederspiegeln oder widerspiegeln? In diesem Beitrag gehen wir der Frage zu diesem sprachlichen Zweifelsfall auf den Grund. 

wiederspiegeln oder widerspiegeln?

Eine Recherche in den gängigen Suchmaschinen zeigt deutlich, dass beim Gebrauch des Verbs widerspiegeln große Unsicherheiten bezüglich der richtigen Vorsilbe bestehen. Sehr häufig trifft man auf die Falschschreibweise *wiederspiegeln. Demzufolge lautet die richtige Schreibweise: widerspiegeln. 
Aber, warum? Was unterscheidet beide Formen voneinander und warum kann nur widerspiegeln richtig sein? 

Die Vorsilben wieder- und wider-

Eine genaue Betrachtung der Vorsilben wieder- und wider- soll dabei helfen, zu verstehen, warum man widerspiegeln und nicht *wiederspiegeln schreibt.

Das Präfix wieder– bedeutet in Zusammensetzungen wie z.B. wiedergeben oder wiederhaben, dass man jemandem etwas zurückgibt oder dass man etwas zurückhaben möchte. Wenn man nun eine Verbindung wie z.B. wiederspiegeln analysieren würde, entspräche die Bedeutung etwa, dass etwas zurückspiegelt. Es bestehen deutliche Bedeutungsüberschneidungen mit der Bedeutung von widerspiegeln.

Natürlich könnten wir den Versuch einer eindeutigen Unterscheidung von wiederspiegeln und widerspiegeln auch vornehmen, indem wir annehmen, dass wieder „erneut, noch einmal“ bedeutet und die Schlussfolgerung ziehen, dass „erneut / noch einmal spiegeln“ wenig Sinn ergeben würde. In diesem Zusammenhang könnten wir die Form wiederspiegeln sofort ausschließen. 

Beispiele

(1) Lars soll Marie doch bitte ihr Spielzeug wiedergeben. (zurückgeben)

(2) Die kleine Marie möchte gerne ihr Spielzeug wiederhaben. (zurückhaben)

Das Präfix wider- bedeutet in Zusammensetzungen wie z.B. widerhallen oder widersetzen „gegen etwas prallen und in Form eines Echos zurückwerfen“ oder „gegen etwas sein und sich dagegen wehren“. In beiden Bedeutungen steckt der Bedeutungsbestandteil gegen. Demnach modifiziert die Vorsilbe wider- die Gesamtbedeutung und schreibt dieser die Bedeutung „gegen etwas“ zu.

Neben der Funktion als Partikel in verbalen Zusammensetzungen kann wider auch isoliert als Präposition gebraucht werden. Beispiele dafür sind wider Erwarten (= entgegen aller Erwartungen) und wider die Gesetze handeln (= gegen die Gesetze handeln, gesetzeswidrig handeln).

In der verbalen Zusammensetzung widerspiegeln kommt die Bedeutung der Vorsilbe zum Ausdruck, da widerspiegeln bildlich gesprochen bedeutet, dass man etwas „gegen einen Spiegel hält und zurückwirft“. Die folgenden Beispielsätze sollen die Bedeutung von widerspiegeln nochmals verdeutlichen. In den Klammern im Anschluss an den Beispielsatz finden Sie Hinweise zur Bedeutung. 

Beispiele

(3) Die umliegenden Berge spiegeln sich wunderschön auf der Wasseroberfläche wider. (sich spiegeln)

(4) Der Filme spiegelt eine gespaltene Gesellschaft zwischen Reichtum und Armut wider. (etwas zum Ausdruck bringen)

(5) Das Gedicht spiegelt die Gefühlswelt zur Zeit der Romantik wider(etwas zum Ausdruck bringen)

Korrekte Schreibweise: widerspiegeln 

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selbständig oder selbstständig?

selbständig oder selbstständig?

Ich habe einen Businessplan eingereicht! Ich möchte mich nämlich selbständig machen! Oder möchte ich mich selbstständig machen? Naja, wenn ich in geschäftlicher Korrespondenz professionell auftreten möchte, sollte ich zumindest die deutsche Rechtschreibung beherrschen. Was ist denn nun mit meinem Beschäftigungsverhältnis? Schreibt man selbständig oder selbstständig

selbständig oder selbstständig?

Im Jahr 2020 gab es laut Statista (2021) rund 1,45 Millionen Selbstständige in Deutschland. Kein Wunder also, dass auch bei diesem rechtschreiblich schwierigen Wort Fragen zur korrekten Schreibweise gestellt werden.

Die gute Nachricht: Beide Schreibweisen können gebraucht werden. Sie können selbständig oder selbstständig schreiben.

Das Element „selb-“ steht heute nur noch in Zusammensetzungen wie z.B. derselbe, dieselbe, dasselbe oder im umgangssprachlichen Adverb selber („selbst“). Die semantischen Eigenschaften von selb- gleichen denen des gebräuchlichen Adverbs bzw. der Partikel selbst, das in vielen Wortverbindungen anzutreffen ist. So bildet selbst etwa das Erstglied in Adjektiven wie selbstbewusst, selbstgefällig, selbstlos, selbstsüchtig oder eben selbstständig.
Darüber hinaus findet man es auch als Erstglied bzw. Modifikator in nominalen Komposita wie Selbstbedienung, Selbstbewusstsein oder Selbstständigkeit
Als isoliertes Wort bezieht sich selbst auf die eigene Person und trägt somit die Bedeutungen „persönlich“, „selber“, „die Individualität betreffend“.

Ferner kann selbst als Partikel in der Bedeutung „auch, sogar“ in Sätzen wie z.B. Paul versteht selbst (auch) die einfachste Aufgabe nicht

Dagegen bedeutet das Adjektiv ständig, dass etwas „regelmäßig“ und „andauernd“ geschieht. Gehen wir nun von einer Person aus, die aus eigener Kraft (selbst) heraus versucht, Geld zu erwirtschaften und berücksichtigen dann, dass sie dieser Tätigkeit regelmäßig (ständig) nachgeht, macht die Schreibweise selbstständig“ (selbst + ständig) durchaus Sinn, da beide Bedeutungen von den jeweiligen Wortbestandteilen getragen bzw. ausgedrückt werden. 

Unter Berücksichtigung der jeweils eigenständigen Bedeutungen beider Wörter, nämlich selbst und ständig, empfiehlt auch die Dudenredaktion die Schreibweise selbstständig (1, 2). Diese Empfehlung gilt selbstverständlich auch für den Gebrauch als Nomen (3, 4).

Bei der Form selbständig handelt es ich um die alte Rechtschreibung. Mit der Reform 1996 ist zudem die Schreibweise selbstständig anerkannt worden. Schließlich gilt letztere Form, selbstständig, seit der letzten Reform als empfohlene Schreibweise! 

Beispiele

(1) Claudia möchte sich als Unternehmensberaterin selbstständig machen. 

(2) Neben seinem Hautberuf als Bankkaufmann geht Sören einer selbstständigen Tätigkeit nach. 

(3) Der Weg in die Selbstständigkeit ist meinem hohen Arbeitsaufwand verbunden!

(4) Viele Selbstständige sind von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen.

Korrekte Schreibweise: selbständig und selbstständig 

Die empfohlene Schreibweise ist farbig hervorgehoben.

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ausversehen oder aus Versehen?

ausversehen oder aus Versehen? Wie schreibt man es richtig?

In unserem Wortschatz gibt es die Präposition aus, das Verb versehen und auch das Nomen Versehen. Den meisten wird klar sein, wann man die entsprechenden Wörter in einem Satz gebrauchen kann. Doch wie sieht es bei einer Wortverbindung mit aus + versehen oder Versehen aus? Schreibt man dann alles zusammen oder doch getrennt? Und schreibt man klein oder groß? In diesem Beitrag sehen wir uns die richtige Schreibweise an und erklären, warum es zu Zweifeln hinsichtlich der richtigen Schreibweise kommt.

ausversehen oder aus Versehen?

Falschschreibweise ausversehen

Betrachten wir zunächst das zusammengeschriebene Wort ausversehen. Diese Zusammensetzung besteht aus der Verbpartikel aus- und dem Verb versehen (jmdn. oder etw. austatten / versorgen mit) oder als reflexive Variante sich versehen (etw. irrtümlich zu sehen glauben).
Bei dieser Zusammensetzung handelt es sich um eine Falschschreibweise: *ausversehen.  Vermutlich wird diese Form in Analogie zu Verben wie z.B. ausverkaufen oder ausverhandeln gebildet. In beiden trennbaren Verben bedeutet die Verbpartikel „etwas bis zum Ende vollziehen“, z.B. „bis auf das letzte Produkt verkaufen“ oder „bis zum Ende verhandeln“.

Was bedeutet aus Versehen?

Bei der Zusammensetzung aus Versehen handelt es sich um eine kausale Präposition und ein Substantiv.
Die kausale Präposition aus drückt, wie der Name schon sagt, einen Grund bzw. eine Ursache aus. 
Das Substantiv das Versehen drückt aus, dass jemandem unbeabsichtigt ein Fehler unterlaufen ist. Etwas ist schließlich versehentlich geschehen. Diese Kombination tritt häufiger auf, um nähere Informationen über den Grund oder die Ursache zu nennen.

Angabe des Grundes mit der Präposition aus
– Erika hat ihr Fenster aus Angst vor Mücken ganztags geschlossen. 
– Moritz hat aus Spaß bei der Feuerwehr angerufen. Man könnte auch behaupten, er habe es aus Dummheit getan. 
– Die Veranstaltung ist aus finanziellen Gründen abgesagt worden. 
– Lisa ist ihrer besten Freundin aus Versehen auf den Fuß getreten. 

Beispiele mit aus Versehen

(1) Henrik hat aus Versehen die falsche Adresse notiert, weshalb das Paket wieder an den Absender zurückgestellt wurde. 

(2) Mira hat die Wäsche aus Versehen zu heiß gewaschen. Dabei ist ihr Lieblingspullover eingelaufen. 

(3) Frank hat aus Versehen Diesel statt Benzin getankt!

Gemeinsamkeiten zwischen versehen und Versehen

Obwohl die richtige Schreibweise bereits bekannt ist, soll in diesem Abschnitt kurz auf die gemeinsamen Bedeutungen des Verbs versehen und des Nomens Versehen eingegangen werden. Denn auch semantische Eigenschaften eines Wortes sind im mentalen Lexikon miteinander vernetzt und könnten zu einem fehlerhaften Zugriff auf ein bestimmtes Wort führen. Das Verb versehen hat in einem Satz wie z.B. Der Student hat in seiner Hausarbeit mehrere Quellenangaben versehen die Bedeutung „etw. zu tun versäumen, etw. verpassen“ und drückt in dieser einen Fehler aus, der dem Studenten beim Abfassen seiner Hausarbeit unterlief. Man könnte nun aber behaupten: Das ist ein Versehen, das bereits vielen anderen Studenten widerfahren ist. In diesem Satz steht das Substantiv das Versehen. Es bedeutet in dem Beispielsatz „Fehler“ oder „Irrtum“. Die Beispielsätze zeigen, dass sowohl das Verb versehen als auch das Substantiv Versehen „einen Fehler machen“ bedeuten können. Dennoch steht die kausale Präposition aus immer vor dem Substantiv Versehen und nicht vor dem Verb versehen

Fazit

Sowohl das Verb versehen als auch das Nomen Versehen bedeuten „unbeabsichtigt einen Fehler begehen“. 
Dennoch schreibt man aus Versehen zur Angabe eines Grundes bzw. einer Ursache getrennt, da nach der kausalen Präposition aus eine Nominalphrase stehen muss. Diese beinhaltet ein Nomen, das groß geschrieben wird.
Die richtige Antwort lautet folglich: aus Versehen

Korrekte Schreibweise: aus Versehen 

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