Lexikalischer Zugriff bei portugiesischen Deutschlernern

Es herrscht allgemeiner Konsens, was den Zugriff auf das mentale Lexikon bei Mehrsprachigen betrifft (u. a. Beauvillain und Grainger 1987; Spivey und Marian 1999; Mishra und Singh 2016. Dennoch stellte sich in Visual-World-Experimenten zur Worterkennung bei Mehrsprachigen heraus, dass eine Aktivation der irrelevanten Sprache nicht immer für beide Sprachrichtungen belegt werden konnte. Wohingegen in Weber und Cutler (2004) eine Aktivierung der Erstsprache (L1) bei Spätmehrsprachigen nachgewiesen werden konnte, wenn gesprochene Sprache in der Zweitsprache (L2) verarbeitet werden sollte, ergaben die Ergebnisse aus Spivey und Marian (1999) und Canseco-Gonzalez et al. (2010) keine stichhaltige Evidenz, die für eine Aktivierung der L1 sprechen würde. Wir haben diese Ergebnisse als Anlass genommen, um den bisherigen Forschungsstand um eine weitere Studie zu erweitern, dessen Fokus auf portugiesischen Muttersprachlern liegt, die die deutsche Sprache im Erwachsenenalter erworben haben.Durch ein Visual-World-Experiment, das wir im HULC Lab (Heidelberg University Language & Cognition Laboratory) durchgeführt haben, konnte gezeigt werden, dass falsche Freunde die Worterkennung von portugiesischen Deutschlernern beeinflussen. Unsere Ergebnisse stützen die Hypothese, dass portugiesische Deutschlerner ihre Muttersprache nicht gänzlich unterdrücken können, wenn es darum geht, Wörter in der Zweitsprache zu verarbeiten.

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