bekommen-Passiv – Rezipientenpassiv | Definition & Beispiele

bekommen-Passiv

Was ist das bekommen-Passiv?

Das bekommen-Passiv ist eine Sonderform des Passivs. Man nennt es auch das Rezipientenpassiv.

Oft steht der Empfänger im Mittelpunkt / Fokus des Geschehens. Man möchte ausdrücken, wer etwas empfängt. 

Wie bildet man das “bekommen”-Passiv?

Man bildet das bekommen-Passiv mit dem Hilfsverb “bekommen” und dem Partizip II.

Im Gegensatz zum Vorgangspassiv und Zustandspassiv wird nicht die Akkusativergänzung des Aktivsatzes zum Subjekt des Passivsatzes, sondern die Dativergänzung. Die Akkusativergänzung des Aktivsatzes bleibt auch im Passivsatz erhalten. 

Beispiele: 

  1. Daniel bekommt ein Geschenk überreicht
  2. Leonie bekam heute Morgen ihr Zeugnis überreicht
  3. Während der Studienzeit hat Paul seine Wäsche gewaschen bekommen.
  4. Mein Nachbar bekommt seine Hemden immer gebügelt

Am häufigsten bildet man das Rezipientenpassiv mit ditransitiven Verben, d.h. mit Verben, die eine Akkusativ- sowie eine Dativergänzung fordern. 

Beispiel: 

Aktivsatz: Die Zahnärztin zieht dem Patienten einen Zahn
Passivsatz: Der Patient bekommt einen Zahn gezogen.

blau: Subjekt
lila: Dativergänzung
grün: Akkusativergänzung

Übersicht: Aktiv und Passiv in allen Tempusformen

 AktivsatzPassivsatz
PräsensDie Zahnärztin zieht dem Patienten einen Zahn.Der Patient bekommt einen Zahn gezogen.
PräteritumDie Zahnärztin zog dem Patienten einen Zahn.Der Patient bekam einen Zahn gezogen.
PerfektDie Zahnärztin hat dem Patienten einen Zahn gezogen.Der Patient hat einen Zahn gezogen bekommen.
PlusquamperfektDie Zahnärztin hatte dem Patienten einen Zahn gezogen.Der Patient hatte einen Zahn gezogen bekommen.
Futur IDie Zahnärztin wird dem Patienten einen Zahn ziehen.Der Patient wird einen Zahn gezogen bekommen.
Futur IIDie Zahnärztin wird dem Patienten einen Zahn gezogen haben.Der Patient wird einen Zahn gezogen bekommen haben.

Weitere Formen

Das Rezipientenpassiv ist nicht nur auf das Verb “bekommen” beschränkt. Man kann das Rezipientenpassiv auch mit den Verben erhalten oder kriegen bilden. 

kriegen-Passiv

Beispiele: 

  1. Moritz kriegt die Leviten gelesen. (Jemand schimpft mit ihm.)
  2. Valentina kriegt ihre Haare geschnitten.  

erhalten-Passiv

Beispiele: 

  1. Die Kundin erhält den Betrag gutgeschrieben
  2. Sie erhalten ihre Zeitschrift monatlich zugeschickt.  

Deutsch lernen | Passiv – Vorgangspassiv (werden-Passiv)

Das Vorgangspassiv (werden-Passiv)

In der deutschen Sprache gibt es die Möglichkeit, bestimmte Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven aus zu betrachten.

Beim Vorgangspassiv wird das Subjekt aus dem Aktivsatz in den Hintergrund gestellt:

Aktivsatz: Der Autor schreibt einen Liebesroman
Passivsatz: Ein Liebesroman wird (vom Autor) geschrieben.

Der Aktivsatz zeigt ganz deutlich, wer einen Liebesroman geschrieben hat, nämlich der Autor. Im Passivsatz wird der Handelnde bzw. Urheber/Verursacher eines Geschehens (hier: der Autor) entweder gar nicht genannt oder durch eine Präpositionalphrase ergänzt.

Gebrauch

Mit dem Passivsatz möchte man ausdrücken, was gemacht wird. Es ist von geringer Relevanz, wer etwas macht. Beim Vorgangspassiv liegt der Fokus auf dem Vorgang der geäußerten Handlung/Situation, in unserem Beispiel auf “dem Schreiben eines Liebesromans”.

Meist nennt man das logische Subjekt in Passivsätzen nicht. Die Funktion von Passivsätzen ist gerade die “Täterabgewandtheit”, denn in manchen Situationen ist eine Nennung irrelevant bzw. nicht notwendig. Manchmal ist der Täter zudem unbekannt, weshalb eine Passivkonstruktion sinnvoll ist. Sehen Sie sich die folgenden Beispiele an.

Beispiele:

  1. Das Paket wird morgen früh geliefert. (Anmerkung: Es ist egal, wer das Paket liefert)
  2. Gestern Nacht wurde eine Bank überfallen. (Anmerkung: Man weiß bisher nicht, wer die Bank überfallen hat)

Siehe im Gegensatz dazu das Zustandspassiv, bei dem ein Zustand einer bereits abgeschlossenen Handlung im Mittelpunkt steht.

Wie wird das Vorgangspassiv gebildet?

Das Vorgangspassiv wird mit dem Hilfsverb werden und dem Partizip II gebildet.

Das Akkusativergänzung aus dem Aktivsatz wird zum Subjekt des Passivsatzes. Das logische Subjekt kann im Passivsatz durch eine Präpositionalphrase mit von oder durch realisiert.

Wenn es im Aktivsatz keine Akkusativergänzung gibt, gibt es im Passivsatz kein Subjekt. Dies ist bei intransitiven Verben der Fall. Man nennt Passivsätze ohne Subjekt auch das “unpersönliche Passiv“.

Beispiele:

a. Die Gäste tanzten auf dem Festival bis spät in die Nacht. (Aktiv)
b. Es wurde auf dem Festival bis spät in die Nacht getanzt. (Passiv mit Platzhalter “es”)
c. Auf dem Festival wurde bis spät in die Nacht getanzt. (Passiv ohne “es”)

Die Passivsätze (b,c) enthalten lediglich eine Lokal- sowie eine Temporalangabe.

In Satz b) besetzt das “Platzhalter-Es” die Position des Subjekts (Position 1). Das Verb wird in der 3. Person Singular konjugiert. Wenn die 1. Position durch ein anderes Satzglied besetzt ist, entfällt das “Platzhalter-Es” (siehe Satz c).

In den Zeitformen Perfekt und Plusquamperfekt steht das verkürzte Partizip II worden.

Welche Verben können das Passiv bilden?

Das Vorgangspassiv kann man mit fast allen transitiven Verben (Verben mit Akkusativergänzung) bilden. Wichtig ist dabei, dass die Verben selbst einen Vorgang oder eine aktive Tätigkeit ausdrücken. Eine Übersicht zu 25 transitiven Verben finden Sie hier.

Außerdem können intransitive Verben, die das Perfekt mit “haben” bilden, das Passiv bilden. Darunter fallen Verben wie z.B. tanzen, singen oder lachen.

Reflexive Verben können kein Passiv bilden!

Aktiv- und Passivsätze in allen Zeitformen

 AktivsatzPassivsatz
PräsensDer Autor schreibt einen Liebesroman.Ein Liebesroman wird (vom Autor) geschrieben.
PräteritumDer Autor schrieb einen Liebesroman.Ein Liebesroman wurde (vom Autor) geschrieben.
PerfektDer Autor hat einen Liebesroman geschrieben.Ein Liebesroman ist (vom Autor) geschrieben worden.
PlusquamperfektDer Autor hatte einen Liebesroman geschrieben.Ein Liebesroman war (vom Autor) geschrieben worden.
Futur IDer Autor wird einen Liebesroman schreiben.Ein Liebesroman wird (vom Autor) geschrieben werden.
Futur IIDer Autor wird einen Liebesroman geschrieben haben.Ein Liebesroman wird (vom Autor) geschrieben worden sein.

Aktiv- und Passivsätze mit Modalverben in allen Zeitformen

 AktivsatzPassivsatz
PräsensDer Autor muss einen Liebesroman schreiben.Ein Liebesroman muss (vom Autor) geschrieben werden.
PräteritumDer Autor musste einen Liebesroman schreiben.Ein Liebesroman musste (vom Autor) geschrieben werden.
PerfektDer Autor hat einen Liebesroman schreiben müssen.Ein Liebesroman hat (vom Autor) geschrieben werden müssen.
PlusquamperfektDer Autor hatte einen Liebesroman schreiben müssen.Ein Liebesroman hatte (vom Autor) geschrieben werden müssen.
Futur IDer Autor wird einen Liebesroman schreiben müssen.Ein Liebesroman wird (vom Autor) geschrieben werden müssen.
Futur IIDer Autor wird einen Liebesroman geschrieben haben müssen.Ein Liebesroman wird (vom Autor) geschrieben worden sein müssen.

Übung 1

Übung 2

Genus Verbi: Aktiv und Passiv

Aktiv- und Passiv | Unterschiede

Mithilfe der beiden grammatischen Kategorien Aktiv und Passiv können dieselben Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkeln/ Perspektiven betrachtet werden.

In Aktivsätzen steht die handelnde Person im Mittelpunkt: Pedro Álvares Cabral entdeckte Braslien. 

Man möchte ausdrücken, wer etwas macht.

Das Subjekt Pedro Álvares Cabral entdeckte Brasilien gewissermaßen “aktiv”. Das Aktiv ist somit “agensorientiert”.

In Passivsätzen steht die vom Prädikat ausgedrückte Handlung im Mittelpunkt: Brasilien wurde entdeckt

Hier geht es um die Entdeckung Brasiliens. Wer Brasilien entdeckt hat, ist in dem Passivsatz nicht relevant. Man möchte ausdrücken, was gemacht wird.

Auf die Nennung des Subjekts wird verzichtet. In einigen Grammatiken ist auch von der täterabgewandten Perspektive die Rede. Passivsätze sind also “nicht-agensorientiert”.

Wie bildet man das Passiv?

Man bildet das Passiv mit dem Hilfsverb “werden” und dem Partizip II.

Beispiele: 

  1. Ein Haus wird gebaut.
  2. Das Zeugnis ist bereits überreicht worden.
  3. Die Weinflasche wird (vom Kellner) geöffnet.

In Passivsätzen wird die Akkusativergänzung aus dem Aktivsatz zum Subjekt des Passivsatzes.

Beispiele:

Aktivsatz: Der Ingenieur baut einen Hubschrauber. (direktes Objekt)
Passivsatz: Ein Hubschrauber wird gebaut. (Subjekt)

Alle anderen Objekte (Dativ-, Genitiv-, Präpositionalobjekte) sowie Adverbiale bleiben im Aktiv- und Passivsatz unverändert.

Beispiele:

Aktivsatz: Der Lehrer hilft nachmittags lernschwachen Schülern bei den Hausaufgaben.
Passivsatz: Nachmittags wird lernschwachen Schülern bei den Hausaufgaben geholfen.

Das logische Subjekt kann in allen Passivsätzen genannt werden. Dies geschieht mithilfe der Präpositionen von oder durch. Das logische Subjekt steht in den folgenden Beispielsätzen in Klammern.

Beispiele:

  1. Die Weinflasche wird (vom Kellner) geöffnet.
  2. Ein Hubschrauber wird (vom Ingenieur) gebaut.

Weitere Einzelheiten zu den verschiedenen Passivtypen finden Sie hier:

  1. Vorgangspassiv
  2. Zustandspassiv
  3. Rezipientenpassiv