Gerade im angelsächsischen Gebrauch ist häufig die Rede von einem bilingual speaker oder bilingual, womit auf eine größere Zielgruppe referiert wird, als wenn im deutschsprachigen Raum von einem bilingualen Sprecher die Rede ist. Wohingegen im angelsächsischen Raum allgemein auf Personen referiert wird, die zwei Sprachen sprechen, unabhängig davon, ob sie diese gut beherrschen oder nicht (u.a. Harley 2014), wird im deutschsprachigen Raum meist auf Personen referiert, die zwei Sprachen von Geburt an, simultan erlernt haben. Streng genommen kann auch von einem simultanen Erstspracherwerb gesprochen werden (vgl. u.a. Meisel 2004; Riehl 2014). Unter dieser Kategorie werden Kinder erfasst, die zwei Sprachen in ihren ersten drei Lebensjahren erwerben. Um eine einheitliche Terminologie in dieser Arbeit zu gewährleisten, beschränken wir uns mit dem Terminus bilingual ausschließlich auf jene Gruppe an Sprechern, die bereits vor ihrem dritten Lebensjahr mit zwei Sprachen konfrontiert worden sind. Darüber hinaus greifen wir bevorzugt auf den Terminus Mehrsprachigkeit zurück, wodurch wir im Allgemeinen auf Sprecher referieren, die mindestens zwei Sprachen sprechen können, unabhängig von ihrem Kompetenzgrad.

Für einen Spracherwerb, der ab dem dritten Lebensjahr einsetzt, werden verschiedene Typen der Zweisprachigkeit unterschieden. Setzt der Zweitspracherwerb an eine bereits vorhandene Struktur der Erstsprache an, Riehl (2014) spricht von einem Zweitspracherwerb ab dem 3. Lebensjahr (vgl. Riehl 2014: 86), ist von einem sog. sukzessiven kindlichen Zweitspracherwerb die Rede. Meisel (2004) spricht von einem Zweitspracherwerb jedoch erst, wenn dieser zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr beginnt, wodurch deutlich wird, dass in diesem Zusammenhang noch kein allgemeiner Konsens vorherrscht. Wird eine Zweitsprache erst nach der kritischen Periode (siehe unten in diesem Abschnitt) erworben, spricht man von einem sog. späten Zweitspracherwerb (vgl. Moradi 2014). Nach Meisel (2004) beginnt der späte Zweitspracherwerb, wenn die L2 ab einem Alter von 10 Jahren begonnen wird. Denken wir etwa an Menschen, die zwei Sprachen von Kind auf gelernt haben und zum anderen an Menschen, die eine zweite Sprache erst als Erwachsene erlernen, so fällt auf, dass sich letztere beim Erlernen der Zweitsprache oft schwer tun und selten das gleiche Sprachniveau erreichen wie es bei ersteren der Fall ist. Neben einer geringer ausgeprägten Grammatik, einem kleineren Wortschatz sind auch Interferenzen durch die L1 erkennbar, die sich äußerst markant auf der lautlichen Ebene zeigen; man denke etwa an den auffälligen Akzent deutscher Muttersprachler im Englischen (vgl. Lenneberg 1967: 176). Dass diese Schwierigkeiten beim sukzessiven Zweitspracherwerb gehäuft auftreten und je nach Beginn des Zweitspracherwerbs unterschiedliche Kompetenzgrade erreicht werden, impliziert, dass es einen Zeitabschnitt in der Sprachentwicklung geben muss, ab dem der Zweitspracherwerb nur unter erschwerten Bedingungen stattfindet und mit erhöhtem kognitiven Aufwand verbunden ist. In der Zweisprachigkeitsforschung wird in diesem Zusammenhang des öfteren von der sog.  kritischen Periode (engl. critical period) oder auch sensitiven Periode gesprochen.