Rezension „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“

Buchrezension 

Fandrych, Christian; Thurmair, Maria (2018): Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – Grundlagen und Vermittlung. Berlin: Erich Schmidt (Grundlagen Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, 2). – ISBN: 978-3-503-17758-5. 295 Seiten, 19,95€.

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Der vorliegenden Band aus der Reihe „Grundlagen Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ ist, wie der Untertitel „Grundlagen und Vermittlung“ anmuten lässt, als Grundlagenlektüre für all diejenigen Leserinnen und Leser gedacht, die sich mit der Vermittlung des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache im In- und Ausland beschäftigen oder in Zukunft beschäftigen werden. Ziel dieses Werkes ist zum einen die Vermittlung von grammatischen Grundlagen für angehende sowie unterrichtende Lehrkräfte und zum anderen die Erörterung von methodischen Ansätzen, die Lehrkräften bei der Unterrichtsplanung helfen könnten, Deutschlernende für bestimmte sprachliche Phänomene zu sensibilisieren.

Das vorliegende Werk beginnt mit einer Einführung, in der Zielsetzung und -gruppe, Inhalt und Aufbau, die Stellung der Grammatik im Fremdsprachenunterricht,  methodisches und didaktisches Vorgehen der Autoren thematisiert werden. Der Einleitung folgen der Reihe nach die Kapitel „Das Verb“ (Kap. 2), „Das Substantiv“ (Kap. 3), „Artikel, Artikelwörter, Pronomen“ (Kap. 4), „Das Adjektiv“ (Kap. 5), „Die Nominalphrase“ (Kap. 6), „Adverbien und Partikel“ (Kap. 7), „Präpositionen“ (Kap. 8), „Satzglieder und die interner Struktur von Sätzen“ (Kap. 9), „Satzgliedstellung: Verbalklammer und Stellungsfelder“ (Kap. 10) und „Sätze und Satzverbindungen“ (Kap. 11).

Die Autoren Prof. Dr. Christian Fandrych und Prof. Dr. Maria Thurmair verfolgen eine ganz klare Linie, indem sie an grundlegenden Grammatikthemen ansetzen, die einerseits der Lehrkraft präsent sein sollten und andererseits in der Unterrichtspraxis schwer zu vermitteln sind und dabei aus der Sicht der Lernenden eine besondere Sensibilisierung bedürfen. Die Kapitel sind allesamt klar strukturiert, sie beginnen mit einer knappen Erläuterung zum Inhalt und Aufbau des Kapitels, gefolgt von einer Einführung in die Thematik. Der inhaltliche Aufbau folgt einer aszendenten Struktur, bei den Wortarten beginnend, gefolgt von komplexeren Phrasen bis hin zu einfachen Sätzen und komplexen Satzstrukturen. Die einzige Ausnahme bildet dabei Kapitel 6, in dem auf die interne Struktur von komplexen Nominalphrasen eingegangen wird. Besonders hervorheben lässt sich der sehr verständliche Schreibstil und die Vielzahl an Beispielen und Hinweisen, die selbst Laien auf dem Gebiet der deutschen Grammatik einen leichten Einstieg ermöglichen.

In Kapitel 2 wird auf das Verb als zentrale Einheit der deutschen Sprachen eingegangen, das als „Organisationszentrum von Sätzen und von Texten“ (17) eröffnendes Element einer Szene gelte, dessen Mitspieler bzw. Ergänzungen vom Verb regiert werden. Nach einer Klassifizierung zentraler Verbtypen wird zum einen das Konjugationssystem mitsamt der grammatischen Kategorien Person, Numerus, Tempus, Modus, und Genus Verbi (Aktiv, Passiv) erläutert und zum anderen Wortbildungsprozesse des Verbs verdeutlicht. Die verbalen Kategorien Modus, Tempus und Genus Verbi werden jeweils in gesonderten Unterkapiteln thematisiert, da sie Lernende des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache vermehrt vor Schwierigkeiten stellen und dieser Thematik deshalb besonderes Augenmerk gebührt. Die Kapitel 3, 4 und 5 beschäftigen sich mit den deklinierbaren Wortarten. Wie schon erwähnt widmet sich Kapitel 6 den komplexen Nominalphrasen. Ausgehend von bestimmten Nomen, die den Kopf der Phrase bilden, werden exemplarisch erweiterte Nominalphrasen eingeführt, anhand derer sprachliche Phänomene wie adjektivische, präpositionale, adverbiale, genitivische und infinitivische Attribute, Attribute in Form von Relativsätzen sowie Appositionen erläutert werden. Daran schließen sich mit Kapitel 7 und 8 die nicht-flektierbaren Wortarten an.

Die abschließenden Kapitel thematisieren komplexe Phrasen und Satzstrukturen. In Kapitel 9 wird der Frage nachgegangen, welche syntaktische Funktionen von den jeweiligen Konstituenten bzw. Satzgliedern in einem Satz erfüllt werden.  In Kapitel 10 befassen sich die Autoren mit der Wort- und Satzgliedstellung im Deutschen. Dabei greifen sie auf das topologische Feldermodell zurück, um verschiedene Stellungsmöglichkeiten innerhalb eines Satzes anzuzeigen. Die Visualisierung von Sätzen in topologischen Feldern erleichtert Lernenden die rezeptive Verarbeitung der verschiedenen Wortstellungsmöglichkeiten im Deutschen, weil sich bestimmte sprachliche Phänomene wie z.B. eine Betonung von bestimmten Satzinformationen durch Topikalisierung in einem Feldermodell gut anzeigen und beschreiben lassen. Das abschließende Kapitel 11 liefert u. a. Informationen über Satztypen, Form und Funktion von Nebensätzen und satzverbindende Ausdrücke, worunter Konjunktionen (z.B. und, denn…), Subjunktionen (z.B. weil, nachdem, …) und Adverbien (z.B. trotzdem, deshalb…) fallen.

Für die Sprachdidaktik wertvolle Fragestellungen zu besonderen sprachlichen Phänomenen werden an geeigneter Stelle durch entsprechende Hinweise oder Anmerkungen ergänzt. Dabei handelt es sich um Hinweise zur Grammatikvermittlung, die in Form von „Didaktischen Fenstern“ realisiert werden und das Ziel verfolgen, Lehrkräften Anregungen zu geben, die sie in der Unterrichtspraxis unterstützen sollen. Den Lehrkräften wiederum eröffnet sich die Möglichkeit, zu bestimmten Grammatikthemen nach Anregungen zu suchen, die bei der Vermittlung der deutschen Grammatik hilfreich sein können. Überdies sprechen die Autoren durchweg didaktische Empfehlungen aus, die zur Behandlung spezieller sprachlicher Phänomene im Unterricht zu einem besseren Verständnis der Lernenden beitragen könnten. So biete sich im Unterricht zu dem Thema „Partikelverben bzw. trennbare Verben“ mit fortgeschrittenen Lernerinnen und Lernern etwa an, die räumliche und zeitliche Spezifizierung von Partikelverben mit einzuführen, da sie zur Unterstützung des Gerlernten beitragen könne. (34) Demzufolge spezifiziere etwa die Partikel „an“ in an-binden und an-heften einen räumlichen Kontakt, wohingegen „nach“ in nach-arbeiten und nach-spielen eine zeitliche Spezifizierung aufweise. (34)

Lobenswert ist, dass sich die Autoren nicht nur theoretisch mit Fragestellungen zur Grammatikvermittlung auseinandergesetzt haben, sondern auf Erkenntnisse aus der Unterrichtspraxis in ihrer Argumentation Bezug nehmen. Folglich wissen die Autoren ganz genau, welche sprachlichen Eigenheiten den Deutschlernenden im DaF-Unterricht Schwierigkeiten bereiten und auch für die Lehrkraft eine Herausforderung darstellen, wenn es darum geht, diese sprachlichen Phänomene didaktisch ansprechend und vor allem verständlich zu vermitteln. Aus diesem Grund geben die Autoren fortlaufend Hinweise und Anregungen zur didaktischen Aufbereitung und reflektierten Vermittlung bestimmter grammatischer Phänomene.

Abschließend lässt sich sagen, dass sich dieses Lehrwerk zurecht an Lehrkräfte wendet, die sich zum einen fundiertes linguistisches Grundwissen aneignen oder dieses auffrischen möchten und zum anderen praktische Hinweise zur didaktischen Umsetzung bestimmter grammatischer bzw. sprachlicher Phänomene einholen möchten. Das Buch ist praxisorientiert ausgerichtet und widmet sich dem reflektierten Handeln im Unterricht, ohne dabei die Perspektive der Lernenden aus den Augen zu verlieren. Aufgrund des Bezugs zur aktuellen Forschung ist diese handlungsorientierte Grammatik auch erfahrenen Lehrkräften wärmstens zu empfehlen.

Sollte Ihnen unsere Rezension gefallen haben und wir Ihr Interesse für das vorliegende Werk „Grammatik im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – Grundlagen und Vermittlung“ geweckt haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie dieses auf den Seiten des Erich Schmidt Verlags oder auf Amazon.de erwerben.

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