Die Sprachkontaktforschung beschäftigt sich v.a. mit Situationen, in denen zwei oder mehrere Sprachen aufeinandertreffen und untersucht beispielsweise die Beeinflussung einer Sprache A auf eine Sprache B und/oder umgekehrt (vgl. u.a. Baranow 1973, Fausel 1959). Resultieren Abweichungen in Bezug auf grammatische Normen oder etwa den lexikalischen Bestand, die auf den Kontakt mit einer anderen Sprache zurückzuführen sind, so wird der Prozess der Übernahme der Strukturen aus der Empfängersprache in der Sprachkontaktforschung entweder als Interferenz (vgl. u.a. Baranow 1973) oder als Transfer (vgl. u.a. Pichl 1983) bezeichnet. Bereits in Müller (2011: 5) haben wir auf bestehende Disharmonien bezüglich des Verwendungsbereichs der Termini hingewiesen, woraus wir schlussfolgerten, das „derartige Meinungsverschiedenheiten nicht nur zu uneinheitlichen Darstellungen in kontaktlinguistischen Arbeiten, sondern auch zu einer äußerst unüberschaubaren, terminologischen Situation  [führen] (Müller 2011: 5)“. Den Begriff der Interferenz fast Baranow (1973: 15) in einem allgemeineren Sinne auf und bezeichnet damit „jede kontaktbedingte sprachliche Abweichung“. Die allgemeine Auffassung soll nach Baranow (1973: 15) die Erfassung von Übernahme und Ersetzung gewährleisten.[1]

Beziehung zwischen Analogie, Interferenz und Transfer in Sprachkontaktsituationen (aus Müller 2011: 6)

[1] Die von Baranow (1973: 10) angeführten Begriffe Übernahme und Ersetzung können grob erklärt werden, als strikte Übernahme eines pg. Musters, Morphems oder Lexems ohne Berücksichtigung einer Assimilierung an das dt. Sprachsystem (Übernahme) oder einer zusätzlichen Assimilierung, die durch Modifikationen des Ausgangswortes charakterisiert sind, die i.d.R. durch den Austausch von fremden durch eigensprachliche Strukturen vorgenommen werden (Ersetzung).